Die Entwicklung des Unterseebootes
Seite 5
Vielleicht der wichtigste Gesichtspunkt in Laubeufs
Denken, als er die Narval entwarf, war sein Konzept eines
tauchfähigen Torpedobootes. Frühere Unterseeboote waren überhaupt
nicht imstande gewesen, auf See zu bleiben, weil ihre Elektromotoren die
Fahrstrecke strikt begrenzten und weil ihre engen Rümpfe, die sich
kaum über die Wasseroberfläche erhoben, die Navigation äußerst
gefährlich machten.
Die Narval mit einer Länge von 34 m, einer Breite
von 3,8 m und einer Wasserverdrängung von 117 t aufgetaucht und 202
t im Tauchzustand war imstande, sowohl offensiv als auch defensiv zu operieren.
Sie konnte an der Wasseroberfläche bleiben, bis sie gezwungen wurde
zu tauchen, um entweder anzugreifen oder um sich zu verbergen.
Mit anderen Worten ausgedrückt, wie fast alle Unterseeboote bis in
die letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges, so war auch die Narval grundsätzlich
ein Überwasserschiff, das auch tauchen konnte, aber kein echtes >Unterseeboot<,
welches die meiste Zeit unter Wasser operiert. Versuche, diese Idealvorstellung
in vorausgehenden Entwürfen zu erreichen, sind durch die unzulängliche
Technologie der damaligen Zeit vereitelt worden.
Laubeuf erkannte die Wichtigkeit eines starken Rumpfes und auf
Narval waren sowohl die äußere als auch die
innere Hülle – für damalige Verhältnisse – schwer
gepanzert.
Die innere Hülle war zylindrisch und dies veranlasste einen der ersten
Kommandanten von ihr als >einem Torpedoboot, das im inneren ein Unterseeboot
mitführt< zu sprechen.
Sie besaß eine Besatzung von 13 Mann und war bewaffnet mit vier >Abwurfkragen<
für 45 cm – Torpedos.
Der von dem Russen Drzewiecki erfundene Abwurfkragen bestand aus
einer Schlinge, die den Torpedo vor dem Losmachen in jedem gewünschten
Winkel hielt. Die Franzosen zogen ihn damals den Torpedorohren vor.
Die 220-PS-Dampfmaschine verlieh der Narval aufgetaucht
eine Höchstgeschwindigkeit von 9,88 Knoten und konnte bei Überwasserfahrt
die Batterie aufladen, indem der 80-PS-Elektromotor aufgeschaltet auf dieselbe
Welle wie ein Generator benutzt wurde. Der Elektromotor erzeugte bei Tauchfahrt
eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 5,3 Knoten. Die Fahrstrecke lag
unter Wasser mit 2,2 Knoten bei 58 Seemeilen und aufgetaucht mit 8,8 Knoten
bei 345 Seemeilen.
Die schlimmste Eigenschaft der Narval war ihre Tauchzeit
von 10 – 15 Minuten, weil es vor dem Tauchen notwendig war, den Dampfkessel
und Dampfmaschine stillzulegen.
Trotz diesem Umstandes bestätigten die ersten einsatzmäßigen
Probefahrten ihre Brauchbarkeit als Waffe.
Zwischen Cherbourg ( wo sie gebaut wurde ) und Brest blieb sie 48 Stunden
lang in See; dabei unternahm man mehrere Unterwasserfahrten, die längste
davon dauerte 12 Stunden.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Frankreich
deshalb in der Theorie und Praxis des Unterseebootbaus die fortschrittlichste
Seemacht. Bis zum Ende des Jahres 1901 hatte es elf Boote
bestellt oder im Dienst, einige zur einsatzmäßigen Verwendung,
andere zu reinen Versuchszwecken.
Zum selben Zeitpunkt hatten die Vereinigten Staaten ein Boot im Dienst und
sieben weitere bestellt bzw. im Bau.
Die Italiener experimentierten noch immer mit der kleinen Delfino,
die eines der ersten, mit einem Periskop ausgestatteten Unterseeboote war.
Die Royal Navy verstand das Unterseeboot als eine Waffe für schwächere
Marinen.
Da Großbritannien zu dieser Zeit eine der größten Kriegs-
und Handelsmarine besaß, sah man davon ab
eigene U-Boote zu entwickeln, da jeder Fortschritt, jede Neuentwicklung
dieser Waffe zugleich eine
Gefährdung der eigenen Schiffe war.