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Bericht von Günter Labude über seine erste Feindfahrt

Als Kriegsfreiwilliger, geboren am 18.Mai 1925, wurde ich am 1.Juni 1942 zur 17. Schiffsstammabteilung in Memel einberufen. Hier erhielt ich meine Grundausbildung. Nach 6 Wochen wurde ich, vielleicht wegen meines Berufes als Elektriker, auf die Marine-Nachrichtenschule in Aurich Ostfriesland kommandiert.
Hier wurde Unterricht in Telegrafie erteilt. Ebenso Aufbau und Wartung von Sendern und Empfängern. Antennenanlagen und Ortungsgeräte wurden von den Ausbildern erklärt. Zum Abschluss, nach zwei Monaten, wurde ich als Matrose der Laufbahn IV als Funker nach Gotenhafen verlegt. Ich kam zur 2. Untersee-Boott-Lehrdivision. Wieder wurde gepaukt. Alles, was den Funkbetrieb auf einem U-Boot betraf, wurde in aller Gründlichkeit erlernt.
Am 1.10.1942 wurde bei Blohm & Voss in Hamburg das Boot U-642 in Dienst gestellt. Nachdem ein Funkgast ausgefallen war fiel die Wahl auf mich und bin somit zu einem schnellen Kommando gekommen. Bald wurde das Boot nach Kiel verlegt. Nicht lange waren wir inKiel, da fuhren wir zur Argu-Front. Dies war die 24. U-Flottille in Gotenhafen. Nun begann der Drill mit dem Boot und der Besatzung. Jeder wurde an seinen Platz beordert, den er zu 200% ausfüllen musste. Tauchübungen, Artillerie-Schiessen,Flack und Torpedo-Schiessen.Dies alles kam auf uns zu. Für mich als Funker begann das Erkennen von Fahrgeräuschen, sei es Dampf oder Dieselgeräusch. Dies musste mit aller Gründlichkeit gelernt werden. Auch die Entfernung und Geschwindigkeit eines anderen Schiffes konnte man durch Horchen erkennen. Es war eine Ausbildung, die uns sehr viel abverlangte. Nach Abschluss, es vergingen ca. 4 Monate, wurden wir nach Kiel verlegt. Hier wurde mit der Ausrüstung des Bootes begonnen. Verpflegung, Torpedos Munition für Artillerie und Flack. Anschliessen die Übernahme von Treibstoff.
Ende Februar 1943 erhielten wir dann den Befehl zum Auslaufen in das Planquadrat AK 35. Unsere erste Feindfahrt konnte also beginnen. Von Kiel durch das Kattegat, Skagerak in Richtung Nord-Schottland über den sogenannten Nordkanal in unser Einsatzgebiet. Auf dieser Reise hatten wir schon einige unliebsame Begegnungen mit Flugzeugen. Hier machten sich die Schnelltauch-Übungen schon bezahlt. Jedes mal waren wir, bevor die Flugzeuge uns erreichten unter Wasser. Trotzdem bekamen wir die ersten Wasserbomben. Nach Erreichen der Stellung, die wir einnehmen sollten, wurden wir der Gruppe "Stürmer" zugeteilt. Es war schon März, und es wurde ein Geleitzug, der HX.229, gemeldet. Das Wetter war alles andere als angenehm. Schnee, Hagel und riesiger Wellengang. Unser Boot hat als erstes Kontakt zu diesem Geleitzug. Wir gaben die Fühlungsmeldung an den BDU. Die Antwort kam, Fühlung halten und weitere Meldungen. Es war ein grosser Geleitzug von ungefähr 55 Schiffen. Dazu sehr starker Geleitschutz durch Zerstörer und Korvetten. Auch waren Luftüberwachungen, sie flogen wie die Hornissen, eingesetzt. Am Tage hatten wir nur selten die Möglichkeit aufzutauchen. Wenn es dann einmal für 1-2 Stunden war, reichte es eben um Batterien zu laden . Was am Tage an Kontakt verloren ging, musste in der Nacht wieder aufgeholt werden. Wir konnten mehrere Fühlungsmeldungen absetzen. Die Gruppe konnte dann auch eine Sperre anlegen um den Gegner abzuf angen. Es begann dann die letzte grosse Geleitzugschlacht im März 1943. Dem Gegner wurden grosse Verluste beigebracht. Es wurden ca. 250 000 Tonnen Schiffsraum versenkt. Auch aus dem deutschen Wolfsrudel kamen einige Boote nicht meh nach Hause.
Auf dem Rückmarsch nach St. Nazaire, dies wurde unser neuer Stützpunkt, bekamen wir noch einen Nachzügler vor die Rohre. Es handelte sich um den britischen Frachter "Leadgate" 2300 Tonnen, den wir mit einem Schuss in die Tiefe brachten.
Im nachhinein erfuhren wir erst, dass sich nicht um den Geleitzug HX.229 handelte, sondern es war der Geleitzug SC.122. Dies war das Ende unserer ersten Sailing. Über die weiteren Fahrten werde ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten.
                                                   Frdl. Grüsse, der "Puster von U-642" Günter.