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Marineschule Mürwik
von Gerd Czerwinski
Als ich 1986 zum erstenmal als Ausbilder an der Marineschule Mürwik (MSM) eingesetzt wurde, erkannte ich recht schnell, dass ich hier einen Ort betreten hatte, an dem die Marinegeschichte und ihre Traditionen gepflegt werden.
Ich hatte, zusammen mit meinen Kameraden der Marineküstendienstschule Glückstadt (MKüDstS), den Auftrag, junge Offizieranwärter durch deren Grundausbildung zu begleiten. Dazu wurde ein Kontingent von Unteroffizieren (Maate und Bootsleute) und Offizieren zur MSM abkommandiert, um dort eine Inspektion, eine sogenannte Crew zu bilden. Im Vorlauf unseres Einsatzes, also noch bevor die Offizieranwärter eingetroffen waren, wurden wir mit den örtlichen Gegebenheiten der Marineschule vertraut gemacht. Zunächst war ich von der Anlage als Ganzes beeindruckt und nannte sie schnell „die schönste Kasernenanlage der Bundesrepublik“, war sie doch nach dem Vorbild der Marienburg gebaut worden.
Der Schulkommandeur (ein Flottillenadmiral) schreitet, gefolgt vom Lehrgruppen-kommandeur (Kapitän zur See) die Front ab.(Anm.: der Verfasser dieses Artikels steht als Obermaat neben seinem Zugführer)Am Ende des zweiten Weltkrieges war Kapitän zur See Wolfgang Lüth, einer der erfolgreichsten deutschen Uboot-Kommandanten, Kommandeur der Marineschule Mürwik.
Ich erinnerte mich sofort, dass ich bereits Jahre vorher von dem tragischen Schicksal dieses Mannes gelesen hatte. Hans Herlin beschrieb die Vorgänge aus der Nacht des 13. auf den 14. Mai 1945 in seinem Buch „Verdammter Atlantik – Schicksale deutscher U-Boot-Fahrer“.(Originalzitat aus dem Buch „Verdammter Atlantik“)
"Wolfgang Lüth war der Kommandant von vier U-Booten gewesen: U 9, U 138, U 43 und U 181. Drei dieser Boote, die andere Kommandanten nach ihm geführt hatten, waren vernichtet worden; nur U 181 operierte bei Kriegsende noch im Indischen Ozean. Unter Lüths Kommando hatten die vier Boote zwei schwere Schlachtschiffe torpediert und beschädigt, ein feindliches U-Boot, einen Zerstörer und sechsundvierzig Handelsschiffe mit einer Tonnage von über einer Viertelmillion Tonnen versenkt. Lüth hatte fünfzehn Feindfahrten hinter sich gebracht, und die mit ihm an Bord waren, sagen von ihm, er sei ein Mann ohne Nerven...... Wolfgang Lüth war im Jahre 1936 zur U-Boot-Waffe gekommen. Ende 1940 bekam er das Ritterkreuz. Am 9. August 1943 hatte er als erster Offizier der Marine das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten erhalten, eine Auszeichnung, die während des ganzen Krieges außer ihm nur noch einem Offizier der Kriegs-Marine verliehen worden war, dem Korvettenkapitän Brandi. Seitdem kommandierte Lüth keine Boote mehr. Im Januar 1944 wurde er Chef der 22. U-Boot-Flottille in Gotenhafen. Im Juli Kommandeur der Ersten Abteilung der Marine-Kriegsschule in Mürwik. Am 14. September 1944 wurde er ihr letzter Kommandeur. Lüth war damals gerade einunddreißig Jahre alt geworden; der jüngste und der erste Offizier, dieser traditionellen Ausbildungsschule der Marine, der nicht Admiralsstreifen trug. Er wurde erschossen, als der Krieg schon eine Woche zu Ende war. Das geschah in der Nacht vom 13. auf den 14. Mai 1945. Drei Tage später stand sein Sarg in der Aula der Marine-Kriegsschule.Die Trauerfeier in der holzgetäfelten Aula hatte um zehn Uhr begonnen. Es war das letzte offizielle Staatsbegräbnis, das Dönitz in seiner Eigenschaft als Regierungschef befohlen hatte, zehn Tage nachdem in Reims die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet worden war. (Zitatende)
KptzS Lüth war am 13.05.1945 gegen 23:00 Uhr von einem Wachposten des „Wachbataillon Dönitz“ irrtümlich erschossen worden, weil er nicht auf dessen Anruf reagiert hatte. Am 14.05.1945 (der Arzt traf erst nach Mitternacht ein) wurde offiziell der Tod durch einen Arzt festgestellt worden. Das Staatbegräbnis fand am 16.05.1945 auf dem Friedhof zu Adelby statt. Es ist ein tragisches Schicksal, wenn man bedenkt, welche Anstrengungen, welcher Stress und welche Ängste, auch wenn man keine Nerven gezeigt hat, in der Bewältigung von fünfzehn Feindfahrten gelegen haben muss.